XII.1 Sind Sie der Meinung, dass Schriftsteller leichtfertig handeln, wenn sie Hotels zum Schauplatz bedeutender Ereignisse wählen, da sich tatsächlich während eines Hotelaufenthaltes fast nie etwas Bedeutendes ereignet? Oder glauben Sie immer noch, es liege nur an Ihnen, wenn Sie in Hotels nichts Bedeutendes erleben?
XII.2 Da Sie zu diesem Buch gegriffen haben: Hat Sie a) einer oder mehrere der Autoren bei dieser Wahl bestimmt, b) die gleichbleibend hohe Qualität der in dieser Anthologiereihe veröffentlichten Texte oder hat Sie c) das Thema interessiert? Im letzteren Fall: Was erwarten Sie sich von Geschichten zu diesem Thema?
XII.3 Würde es Sie enttäuschen, wenn es in keiner der hier publizierten Hotelgeschichten zu sexuellen Handlungen kommt? Wie haben Sie auf die Frage II.9 geantwortet?
XII.4 Soll in einem Buch über Hotels zumindest ein Mord vorkommen? Wenn ja, warum? Was haben Sie auf die Frage VII.4 geantwortet?
(Aus: Helge Streit, "Fragebogen")
Seit Jahren bin ich keinem Liftboy mehr begegnet. Es gibt sie nur mehr in alten Filmen. Rechnen sich nicht mehr. Es deckt auch keiner mehr um sechs Uhr am Abend die Betten auf. Schlägt die Leintuchecke über dem Plaid um. Armselige Schokoladenvierecke auf den Polstern ausgesetzt, heutzutage. Schon ein paar Mal zerschmolzen. Liegen traurig da. Man muss sich ihrer erbarmen. Sie in der eigenen letzten Verzweiflung erlösen.
Ausgestorben die Bettenaufdeckerinnen. Ausgestorben die Liftboys. Ein unnützer Luxus.
Schon lange suche ich nicht mehr nach ihnen.
Ich suche nach Hausdienern. Nach diesem einen Hausdiener in allen. Wenn er unter der schwarzen kurzen Weste über den schwarzen engen Hosen noch eine bodenlange grüne Schürze trägt, grün wie die Hoffnung; wenn die Schürze noch von einer Messingkette zusammen gehalten wird, nicke ich ihm zu, als sei ich mit ihm verschwistert. Und jedes Mal die Versuchung, ihm zuzuflüstern:
Mein Vater war Hausdiener wie Sie, wissen Sie?
(Aus: Helene Flöss, "Der Beruf meines Vaters")
Am Land heißt hintaus: nach hinten hinaus. Eben dort werden Zimmer vermietet. Ich war beruflich in der Gegend. Was macht man beruflich in dieser Gegend? Sprechen wir nicht darüber. Nur so viel: Ich bin kein Vertreter für Fenster. Hat Ihnen schon einmal jemand einen Saustall als Zimmer vermietet? Solche Steinböden habe ich davor auf einem Bauernhof gesehen. Gereinigt. Ein Spiegel an der Wand. Blind. Nicht ich. Ein Bett, so tief unten, daß ich glaube, es ist ein schmutziger Teppich.
In einem großen Dorf im Waldviertel sagte einer von hundertfünfzig anwesenden Bürgermeistern im Rahmen einer EU Plattform, daß bis vor kurzem die Region Waldviertel dreißig Jahre zurück war. In nur sechs Monate wurde Versäumtes aufgeholt. Wir, stimmte der Bürgermeister an, sind nur mehr fünfzehn Jahre zurück. Was für ein Irrtum, weiß ich, als die ganze Tragweite dieses Zimmers vor mir liegt. Mir ist bewußt, daß ich niemals nüchtern ein Auge in dieser Zumutung schließen werde. Der Vermieter muß eine Vereinbarung mit der gegenüberliegenden Diskothek haben, dem einzigen Ort, der in diesem Ort länger als vierundzwanzig Uhr offen hält. Der DJ stoppt kurz vor Peter Alexander. Das Bier lacht mich an. Das Frühstück lasse ich aus hygienischen und anderen Gründen aus.
(Aus: Michael Stiller, "Auf der Suche")
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XII.1 Sind Sie der Meinung, dass Schriftsteller leichtfertig handeln, wenn sie Hotels zum Schauplatz bedeutender Ereignisse wählen, da sich tatsächlich während eines Hotelaufenthaltes fast nie etwas Bedeutendes ereignet? Oder glauben Sie immer noch, es liege nur an Ihnen, wenn Sie in Hotels nichts Bedeutendes erleben? ...
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